Peer
Wenige Bands haben den Mut, ernsthaft zu versuchen, das Leben zu erklären – oder wenigstens ein bisschen davon. PEER ist so eine. Hinter vorgehaltener Hand könnte man PEER auch eine Berliner Indie-Supergroup nennen, mit Mitgliedern von Hund am Strand, Le Mobilé, Ampl:tude, Ersatzband und The Grand Coulee, aber das tut wenig zur Sache.
“Ich glaub’ ich werde es nicht mehr los, unzufrieden zu sein”, singen PEER in dem Lied “Holzig gut”, einem woodyguthrieesken Folksong. Und dann: “Die Arbeit geht in den Abend hinein / Und die Summe in der Hand ist immer noch egal und so klein / Ich glaub’ ich werde es nicht mehr los, unzufrieden zu sein”. Das kapiert doch jeder, der zwischen Job und Erfüllung zerrissen ist. Oder: „Sein wir doch mal ehrlich / Es ist eine Krise / Krise, Krise, Krise.“ Und so den ganzen Bereich meinen, wie sich die äußeren Gegebenheiten auf das Persönliche abwälzen, und damit nebenbei den Soundtrack zu diesen Zeiten liefern. Oder: “Der Anzug passt mir nicht so gut / Ich glaube nicht, dass ich so / im Weltall überleben kann”. Eine Zeile, die man nach dem Hören weitererzählen will.
Die Musik kommt in das Indierock-Regal neben Velvet Underground, Bright Eyes, Motorpsycho, Tomte und Queen – gitarrengetriebene Songs, mehrstimmiger Gesang, schmissige Klavierakkorde und sägende Synthesizer, Schlagzeug, Bass und eine manchmal sanft schwingende, manchmal ins verzerrte Herz vordringende Zweitgitarre. Auf Konzerten ist es dann auch ein wenig wie bei den legendären Gigs von Bob Dylan mit The Band. Wie auf einem Geburtstag, auf dem jeder jedem was schenkt. Zum Beispiel eine Gitarrenwand und Hilfe.
PEER gruppiert sich um Sänger und Songschreiber Peer Göbel, der mit Le Mobilé zwei Alben herausbrachte, solo unter dem Namen Peer zwei CDs veröffentlichte, mit seinem Videoblog Undertube diverse Bands in der U-Bahn interviewte – und nun mit der Bandformation Geister rief, die nicht mehr kontrolliert werden können. Das im September kommende Debüt-Album wird „Wir sind Peer“ heißen – eine Ansage, ein „Here we are now“, und auch eine Absage daran, dass die Texte eine unmittelbare Äußerung einer Person sind – sie sind Material, das für uns alle gilt, das in deinem Leben verwendet werden kann. Das Album ist die erste Produzentenarbeit von Björn Sonnenberg und Jan Niklas Jansen, zwei der Menschen hinter Locas in Love und Karpatenhund.
So treffen sich bei PEER Folk und Gitarrenmusik mit deutschsprachigen Texten, bei denen man eben nicht nur nickt, weil die Musik super ist.
(Benjamin Maack, 2010)
Coming Soon: Album „Wir sind Peer“: VÖ September 2010 (Sitzer Records/Broken Silence)
PEER sind:
Daniel von Fromberg – Gitarre
Martin Thomas (Marv) – Schlagzeug
Peer Göbel – Gesang, Gitarre
Philipp Guhr – Klavier, Virus
Thomas Heinrich – Bass
Letztes Album
Wir sind PEER
"Früher gab’s ‚für 5 Mark Freiheit’ / heute haben wir nicht mehr frei" – mit diesen Worten eröffnet die BerlinerBand PEER ihren Song "Schutzraum", die Vorabsingle des am 15. Oktober erscheinenden Albums "Wir sindPeer". Mit "Schutzraum" liefert die Band um den bisherigen Le-Mobilé-Sänger Peer Göbel eine längst überfälligePositionsbestimmung des Hier und Jetzt: Was ist aus den Träumen von einem anderen Leben geworden? Wofrüher ein Leben jenseits von Büros und festen Arbeitszeiten erstrebenswert schien, hat sich der Spieß für die‚Generation St. Oberholz’ inzwischen umgedreht: "Früher war das hier ein Schutzraum / heute ist es ein Büro"singen PEER – die sanft gesungenen Worte wollen einem bereits nach dem ersten Hören nicht mehr aus demKopf. Und spätestens, wenn die erste Woge dröhnender Gitarren über einem zusammenbricht, versteht man:Der Kampf um Schutzräume scheint noch nicht verloren.Der ganze Longplayer ist voller solcher Momente zwischen Hoffnung und Melancholie. "Der Anzug passt mirnicht so gut / Ich glaube nicht, dass ich so / im Weltall überleben kann" ist eine weitere Zeile, die man nach demHören sofort jedem erzählen will. Und mit "Krise" schütteln PEER dann noch ganz nebenbei den Soundtrack zuunseren dürftigen Zeiten aus dem Ärmel: "Seien wir doch mal ehrlich / Es ist eine Krise / Krise, Krise, Krise" –das große Ganze, wie es sich auf das Persönliche abwälzt. Und so geht es immer weiter: PEER hauen Sätzeraus, von denen man sich fragt, warum sie nicht schon längst geschrieben worden sind. Man möchte Wändedamit bemalen.Die Musik rollt, rumpelt und schwingt sich unbehauen und herzerwärmend in das von The Velvet Underground,Bright Eyes, Motorpsycho und Queen entdeckte Land: mehrstimmiger Gesang trifft auf schmissigeKlavierakkorde und sägende Synthesizer, ein treibendes Schlagzeug, einen knackigen Bass und mal sanftschwingende, mal direkt ins verzerrte Herz vordringende Gitarren. Mit Mitgliedern von Hund am Strand, LeMobilé, Ampl:tude, Sumo und The Grand Coulee könnte man PEER fast eine Berliner Indie-Supergroup nennen– ihre Konzerte sind denn auch ein wenig wie bei den legendären Gigs von Bob Dylan mit The Band.Entschuldigen Sie die Hybris. Sagen wir besser so: Wie auf einem Geburtstag, auf dem jeder jedem wasschenkt. Zum Beispiel eine Gitarrenwand und Hilfe.Und so ist auch der Titel der Platte "Wir sind Peer" Programm: eine Ansage, ein "here we are now", und zugleicheine Absage an die Vorstellung, dass Texte die unmittelbare Äußerung nur einer Person sind. PEERs Worte sindfür uns alle da.Das Album ist die erste Produzentenarbeit von Björn Sonnenberg und Jan Niklas Jansen, den Menschen hinterLocas in Love und Karpatenhund.PEER sind:Daniel von Fromberg – GitarreMartin Thomas (Marv) – SchlagzeugPeer Göbel – Gesang, GitarrePhilipp Guhr – Klavier, VirusThomas Heinrich – Bass